21.04.2018   14:58 Uhr


Wissenschaftler und Korea-Experten haben zurückhaltend und skeptisch auf die Ankündigung Kim Jong-Uns reagiert, die Atom- und Raketentests auszusetzen. "Ein Stopp der Atomteste bedeutet noch keine Kehrtwende im Atomwaffenprogramm", schreibt Robert Kelly, Professor für Internationale Beziehungen an der Pusan National University, im "Guardian".

Die Ankündigung Kims sei seiner Einschätzung nach eher Pragmatismus: Das Nuklearprogramm des Landes sei offenbar ausreichend weit fortgeschritten, dass Kim nun daraus Profit schlagen wolle. Und es fehlten weiterhin Details, was der Norden tatsächlich unter Denuklearisierung verstehe, schreibt Kelly.

"Kim hat sein Ziel erreicht, durch sein für ihn erfolgreiches Nuklearprogramm nun auf Augenhöhe mit den USA über einen Friedensvertrag zu verhandeln", sagt auch der Korea-Experte Hartmut Koschyk, Ko-Vorsitzender des Deutsch-Koreanischen Forums. "Deshalb kann er sich jetzt auch konziliant geben und sein Nuklearprogramm einfrieren."

Video: Nordkorea verkündet Stopp von Atomwaffentests

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In der Tat hat Nordkorea bislang lediglich angekündigt, die Atomtests von Samstag an auszusetzen und das nördliche Atomtestgelände zu demontieren, um "transparent die Aussetzung der Atomtests zu garantieren". (Lesen Sie hier, wie die USA und andere Länder auf die Ankündigung reagiert haben.)

In der Praxis ändert sich dadurch erst einmal nicht viel: Der letzte Test fand Ende November vergangenen Jahres statt. Nach dem Start einer Langstreckenrakete hatte der Machthaber mitgeteilt, dass das Streben seines Landes nach nuklearen Waffen vollendet sei. In seiner Erklärung nun heißt es, Nordkorea brauche keine Nukleartests oder Tests von Mittelstrecken- oder Interkontinentalraketen mehr. Die Anlage im Norden habe ihren Zweck erfüllt.

In den vergangen Monaten war im Ausland zudem immer wieder diskutiert worden, dass die Anlage nicht mehr lange genutzt werden könne - zu groß seien die Schäden durch die bisherigen Tests. Vergangenen September soll nach dem bislang stärksten Atomtest Medienberichten zufolge ein Tunnel auf dem Testgelände eingestürzt sein. Laut TV Asahi starben dabei bis zu 200 Menschen.

Deal: Atomwaffen gegen wirtschaftlichen Aufschwung?

Die Internationale Gemeinschaft fordert, dass Kim gänzlich auf sein Atomprogramm verzichtet. Nach Angaben des südkoreanischen Präsidenten Moon Jae Inist Nordkorea zur kompletten Denuklearisierung bereit. Kim verlange aber eine Ende der "feindseligen Politik" der USA und eine Sicherheitsgarantie. Nordkoreas Machthaber selbst hat sich dazu aber noch nicht öffentlich geäußert.

Das Aussetzen der Atomtests könne als Beginn von Verhandlungen gesehen werden, schreibt Scott LaFoy, Analyst aus Washington. Die Ankündigung könne "relativ einfach wieder zurückgenommen werden, aber auch die Grundlage für einen Deal werden. Es sollte nicht als konkretes Versprechen, sondern als Beginn schwieriger Diskussionen verstanden werden."

Moon und Kim wollen nächsten Freitag im Grenzort Panmunjom zum erst dritten gesamtkoreanischen Gipfeltreffen seit Ende des Korea-Kriegs (1950-1953) zusammenkommen. Neben dem Ende des nordkoreanischen Atomprogramms will Moon auch über Bedingungen eines dauerhaften Friedens auf der koreanischen Halbinsel reden. Geplant ist auch ein Gipfeltreffen zwischen Kim und US-Präsident Donald Trump, möglicherweise Anfang Juni.

Er rechne im Anschluss an die Gipfeltreffen mit einem "langwierigen Verhandlungsprozess", sagte Koschyk. Aus Sicht des chinesischen Professor

Jin Qiangyi von der Yanbian Universität in der Grenzprovinz Jilin, könnte dabei die Möglichkeiten einer Verbesserung der wirtschaftlichen Situation in Nordkorea ausschlaggebend sein. Kim könnte im Gegenzug für die Aufgabe des Nuklearprogramms wirtschaftliche Sanktionen und eine Lockerung der Sanktionen fordern. "Wenn sich die Lebensumstände der Menschen verbessern, erhöht sich die Möglichkeit für eine Beseitigung der Atomwaffen", so Jin. Scheiterten hingegen die Verhandlungen, und würden die Sanktionen wieder verschärft und der Druck erhöht, könnte Kim die Tests wieder aufnehmen.

Source :>http://www.spiegel.de/politik/ausland/nordkorea-setzte-atomtests-aus-die-verhandlungen-haben-begonnen-a-1204136.html<

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