Android: Google Droht Milliardenstrafe

Schon 2017 musste Google eine Rekordstrafe von 2,4 Milliarden Euro zahlen - nun könnte die EU-Kommission sogar eine noch höhere Strafe verhängen. Diesmal geht es um den Umgang mit dem Betriebssystem Android.

Von Ralph Sina, ARD-Studio Brüssel

Es ist ein interessantes Timing: Eine Woche vor dem Besuch von EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker im Weißen Haus droht dem US-Giganten Google erneut eine Milliardenstrafe - und zwar durch die Wettbewerbskommissarin des Juncker-Teams. Sie habe zu den Google-Verantwortlichen eine sehr konstruktive Arbeitsbeziehung, betont zwar EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager. Und die Manager der Google-Mutter Alphabet hätten im Großen und Ganzen auch versucht, die Fragen der Wettbewerbskommission zu beantworten.

Doch die Antworten fielen aus Vestagers Sicht nicht wirklich befriedigend aus. Aus Sicht der EU-Kommission missbraucht der US-Konzern seine Marktmacht und verstößt gegen das EU-Wettbewerbsrecht. Streitpunkt ist der Umgang mit der Software-Plattform Android, ein Betriebssystem, das unter anderem von den Google-Konkurrenten Samsung und HTC genutzt wird.

Google-Apps müssen vorinstalliert werden

Die EU-Kommission will nicht hinnehmen, dass Google diese Konkurrenten zwingt, gleich ein ganzes Paket von Google-Apps vorzuinstallieren, darunter etwa die Google-Suche und den Web-Browser - nur, weil Samsung und HTC bestimmte Google-Dienste einbinden wollen. Alles oder nichts, argumentiert Google: entweder ein ganzes Paket von elf Apps, die nicht gelöscht werden können, oder gar kein Angebot von Google.

Google-Suche auf Tablet | Bildquelle: dpa>

Google muss Rekordstrafe zahlen

Google benachteilige Konkurrenten bei der Suche nach Online-Shopping-Angeboten, meint die EU-Kommission - und hat eine Rekord-Wettbewerbsstrafe von 2,42 Milliarden Euro verhängt. Google erwägt, dagegen vorzugehen.

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Teil des Kerngeschäfts bedroht

Außerdem hindert Google nach Ansicht des Juncker-Teams Hersteller von Smartphones und Tablets, die sich auf den offenen Quellcode stützen, am Verkauf von Geräten mit konkurrierenden Betriebssystemen. Diese Konkurrenten locke das Unternehmen zudem mit viel Geld, ausschließlich Google-Apps zu installieren. "Wir haben halt unterschiedliche Verantwortlichkeiten", betont Wettbewerbskommissarin Vestager. Google sei den Anteilseignern und Aktionären verpflichtet, die EU-Kommission den mehr als 500 Millionen Europäern und dem fairen Wettbewerb.

Selbst eine deutliche zweistellige Milliardenstrafe kann Google nicht erschüttern, denn der Mutterkonzern Alphabet verfügt über Barreserven von umgerechnet bis zu 90 Milliarden Euro. Doch wenn die Kommission Google zwingt, seine Praktiken abzustellen, und die Konkurrenten keine Google-Apps mehr vorinstallieren müssen, käme Google ein Teil des Kerngeschäfts abhanden. Dann wären auch die Barreserven bedroht.